Pädagogische Soziologie

Die Bildungssoziologie ist eine Teildisziplin der Soziologie, die sich mit der Beziehung zwischen sozialer und institutioneller Bildung befasst. Diese Beziehung wird in beiden Richtungen untersucht. Erstens, wie Bildung zur sozialen Ordnung beiträgt und Menschen zu (vollwertigen) Bürgern erzieht und sich auf den Arbeitsmarkt einstellt. Auf der anderen Seite spielt der Einfluss des Sozialen in der Bildung eine zentrale Rolle, nämlich inwieweit der soziale Hintergrund das Bildungsergebnis bestimmt. Wie andere Disziplinen der Soziologie tut sie dies, um politische Politik zu beraten. Heute liegt der Schwerpunkt auf der engen Verbindung zwischen Bildung und Arbeitsmarkt. In diesem Sinne gibt es Gemeinsamkeiten mit der Arbeitsökonomie und der Arbeitssoziologie. Darüber hinaus gibt es auch andere Autoren, die Bildung aus konfliktsoziologischer Perspektive untersuchen. Bildung wird als die Institution gesehen, die eine bestimmte Form der sozialen Reproduktion fördert, Machtungleichheiten beibehält und selbst eine kulturelle Hegemonie garantieren kann. Beispiele für Autoren sind Pierre Bourdieu, Axel Honneth, Ivan Illich, Alain Touraine und Thomas Ziehe.

In der Geschichte der europäischen Bildung hat es einige Verschiebungen gegeben. In der Vergangenheit bestand die Hauptaufgabe von Bildung darin, Menschen zu vollwertigen Bürgern zu erziehen. Es ging also vor allem darum, die richtigen Ideen, Normen und den bürgerlichen Sinn zu vermitteln. Der Fokus lag in erster Linie auf der Selbstentwicklung. In der griechischen Antike wird dies hauptsächlich von privaten Lehrern wie Sophisten getan. Militärische Ausbildung war dafür eine Ausnahme. Die Idee, dass es vor allem um psychologische und kulturelle Entwicklung ging, setzte sich auch mit dem Ideal der Bildung fort. Berufe wurden früher durch Lehrlingsausbildungen in Zünften unterrichtet. Erst im 20. Jahrhundert wird Bildung eine entscheidende Rolle für die soziale Position und die spätere Karriere spielen. Von diesem Moment an war Bildung stark mit dem Verlauf des Arbeitsmarktes verbunden. Die ganze Frage der sozialen Gleichheit entstand erst im 20. Jahrhundert. Eine breitere Perspektive ist die Unterscheidung zwischen vier (sozialen) Bildungsfunktionen:

Eine entscheidende Funktion von Bildung ist, dass sie die (zukünftigen) sozialen Positionen in der Gesellschaft stark bestimmt und strukturiert. In der heutigen Gesellschaft wird die soziale Position nicht durch Herkunft oder Reichtum (Zuschreibung), sondern durch Verdienst (Leistung) bestimmt. Zumindest ist dies die Vision des meritokratischen Modells. Das Modell besagt, dass Bildung bestimmte Fähigkeiten bietet, die in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt hoch geschätzt werden und so beispielsweise zum Einkommen der Absolventen beitragen. Menschen mit höheren Abschlüssen verdienen mehr, weil sie die notwendigen Fähigkeiten in der Ausbildung gelernt haben. Diese Fähigkeiten werden dann auf dem Arbeitsmarkt belohnt. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe anderer Theorien, die manchmal unter dem Credentialist-Modell zusammengefasst sind. Nach diesem Modell erhalten höher gebildete Menschen nicht die besseren Positionen, weil sie bessere Fähigkeiten oder mehr Kenntnisse haben, aber (rein) auf der Grundlage von Abschlüssen. In seiner radikalsten Form stellt dieses Modell fest, dass Bildung überhaupt nicht die erforderlichen Fähigkeiten vermittelt und dass die Diplome für bestimmte Berufe sogar vom erforderlichen Wissen getrennt sind. Bildung hat hier nur die Funktion der sozialen Reproduktion: Innerhalb der Bildung wird eine soziale Selektion vorgenommen, die die Kinder bestimmter Klassen begünstigt und so die für sie günstigste Position sichert. Ein Beispiel für eine solche Theorie findet sich in Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron in ihrem Buch La reproduktion (1970). Nach ihnen ist Bildung selbst ein Produkt der herrschenden Klasse (sie bestimmt die Struktur, das kulturelle Kapital, das geschätzt wird), so dass das, was ihnen besonders wichtig ist, in der Bildung dominant sein kann. Da ihre Kinder in ihrer primären Sozialisation bereits eine Menge dieses erforderlichen Wissens erhalten (sie haben bereits den richtigen “Habitus”), haben diese Kinder einen Vorteil gegenüber den Kindern der anderen Klassen und somit sind ihre höheren Positionen garantiert. Andere Autoren, die in dieser Tradition denken, sind Ivar Berg und Randall Collins. Sie sprechen über Phänomene wie Diplom Inflation und den Schaffell-Effekt. Mit Diplom Inflation ist gemeint, dass Arbeitgeber heutzutage immer höhere Anforderungen an die Arbeitnehmer stellen und daher nach mehr Diplomen für die gleichen Jobs fragen. Der Schaffell-Effekt bezieht sich auf das Phänomen, dass eine große Diskrepanz zwischen den Erlösen von (beispielsweise) vier Jahren Studium mit einem Diplom und vier Jahren Studium ohne Abschluss auf dem Arbeitsmarkt besteht. Nach Ansicht der Autoren zeigen beide Phänomene, dass es auf dem Arbeitsmarkt nicht um eine Entlohnung auf der Grundlage von Verdiensten geht, sondern auf der Grundlage von Zeichen (die möglicherweise die tatsächlichen Fähigkeiten nicht angemessen widerspiegeln).

Zwischen diesen beiden Theorien gibt es auch eine dritte Reihe von Theorien, die Elemente des meritokratischen und des credentialistischen Modells kombinieren wollen. Autoren wie Kenneth J. Arrow, Michael Spence und Lester C. Thurow argumentieren, dass Bildung in der Tat nicht direkt Fähigkeiten vermittelt und deshalb Arbeitgeber nicht belohnt, sondern dass diese Abschlüsse ein bestimmtes Signal oder einen bestimmten Wert haben, auf den Arbeitgeber ihre Rekrutierung bekommen können. Basis. Laut Spence geht es hauptsächlich um Signale für das Vorhandensein von Produktivität; Bei Arrow geht es eher um Signale für Weiterbildungskosten; während Thurow erneut auf Diplome als Mittel des Kampfes in einer doppelten Warteschlange sowohl für die verfügbaren Stellen als auch für die anderen Bewerber aufmerksam macht.

Eine zentrale Frage in der heutigen sozioökonomischen Soziologie ist, inwieweit Bildung und Arbeitsmarkt aufeinander abgestimmt sind. Ein Problem hier ist die Frage, wie Diplome eine Rolle bei der Bestimmung des Jobs spielen. Es beinhaltet aber auch andere zusätzliche Fragen, etwa ob Bildung als absolutes Gut oder als positionelles Gut belohnt wird und inwieweit man von einer horizontalen und vertikalen Diskrepanz zwischen der erhaltenen Ausbildung und der geleisteten Arbeit sprechen kann.

Die Menschen scheinen die Anstrengungen, die Bildung erfordert, in der Überzeugung zu ertragen, dass sich ihre Ausbildung auch auf dem Arbeitsmarkt auszahlt: Ein besseres Diplom führt zu besseren Arbeitsplätzen und höheren Löhnen. Mehrere Bildungssoziologen haben sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit Bildung tatsächlich zu höheren Löhnen beiträgt. Eine Frage dabei ist, ob Bildung als ein absolutes Gut oder ein positionelles Gut verstanden werden sollte. Mit absolut gut ist gemeint, dass Bildung in absoluten Zahlen zu einem höheren Einkommen beiträgt: Je mehr Jahre man studiert, desto mehr verdient man. In der Bildung als positionell guter Bildung wird jedoch festgestellt, dass sich Bildung nur relativ auszahlt: Mehr Bildung zahlt sich nur dann aus, wenn man im Verhältnis zu den anderen Bildungs- und Arbeitsmarktteilnehmern mehr Bildung hat. Die Forschung scheint zu zeigen, dass die Bildung selbst, zumindest in Flandern, aufgrund der zunehmenden Bildungsexpansion immer mehr zu einem Standortvorteil wird.

Ein weiteres Problem in der Beziehung zwischen Bildung und Arbeitsmarkt ist, ob Hochschulabsolventen letztendlich den Beruf, für den sie studiert haben, besetzen. In diesem Fall kann eine horizontale und vertikale Fehlanpassung auftreten. Vertikale Nichtübereinstimmung oder Überbewertung bedeutet, dass der Absolvent eine Arbeit hat, die auf einem niedrigeren (oder höheren) Niveau ist als das, für das er studiert hat. Zum Beispiel kann ein Philosophiestudent gezwungen werden, einen schlecht bezahlten Job anzunehmen, weil er keinen findet, der seinem Diplomniveau entspricht. Horizontale Nichtübereinstimmung bezieht sich dann auf eine inhaltliche Lücke zwischen Studium und Beruf. Der Job ist nicht so weit entfernt in Bezug auf das Gehalt der Studie, aber in Bezug auf die Branche. Zum Beispiel kann die Geschichte eines Studenten letztlich im Geschäft enden. Das Mismatch-Problem hat auch eine methodische Schwierigkeit: Wie bestimmt man, ob eine Diskrepanz vorliegt oder nicht? Dafür gibt es verschiedene Methoden. Eine erste ist die subjektive Methode: Man fragt die beteiligten Personen, ob sie überzeugt sind, dass es eine Lücke zwischen ihrer Arbeit und ihrem Studium gibt. Eine andere Methode ist als objektive Methode bekannt. Es gibt verschiedene Varianten davon. Eine besteht darin, Jobanalysten anzurufen, die eine Liste von Trainingsanforderungen pro Job erstellen. Eine zweite Methode stützt sich auf Statistiken: Man vergleicht die Position der zu untersuchenden Person mit dem durchschnittlichen Bildungsniveau eines Mitarbeiters. Die Verwendung einer anderen Methode führt oft zu unterschiedlichen Ergebnissen, aber die Zahlen liegen normalerweise bei 20 oder 30%.

Bildungssoziologen haben in den letzten Jahrzehnten auch begonnen, sich auf die Rolle von Weiterbildung und Studien wie Erwachsenenbildung oder Erwachsenenbildung zu konzentrieren. Die Rolle von Kursen und informellem Lernen am Arbeitsplatz wird ebenfalls untersucht. All diese zusätzlichen Bildungsformen scheinen sich positiv auf die Lage auf dem Arbeitsmarkt auszuwirken, auch wenn sie den ursprünglichen Rückstand nicht ausgleichen können. Der Nutzen von Weiterbildung und informellem Lernen scheint auch bei Akademikern stärker ausgeprägt zu sein als bei berufsorientierten Fächern.

Wie bereits erwähnt, besteht eine der Hauptaufgaben der Bildung darin, bestehende Ungleichheiten aufgrund von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Alter oder sozialer Herkunft zu beseitigen. Während des gesamten 20. Jahrhunderts kann man sehen, dass eine Erweiterung der Bildung stattfindet. Die Frage, mit der sich Bildungssoziologen beschäftigen, ist jedoch, inwieweit diese Bildungsexpansion auch eine Bildungsdemokratisierung ist. Mit Bildungsexpansion ist die Ausweitung der Bildungsmenge gemeint, die von der Bevölkerung verfolgt wird. Heutzutage folgen fast alle Kinder im Westen der Primar- und Sekundarstufe, während dies in der Vergangenheit nicht der Fall war. Bildungsdemokratisierung bezieht sich auf den Grad, in dem Bildung für alle sozialen Gruppen gleichermaßen zugänglich ist. Diese Tatsache ist viel problematischer. In den meisten Fällen wird die Ungleichheit auf höhere Bildungsformen verlagert: Alle sozialen Gruppen folgen der Grund- und Sekundarschulbildung, aber vor allem die höheren Klassen beenden auch die Hochschulbildung. In der Hochschulbildung bestehen nach wie vor Ungleichheiten in der Hochschulbildung (z. B. die Wahl der Rechte gegenüber der Wahl der Politikwissenschaften). Zuvor wurde das Werk von Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron erwähnt, was ein Problem aufwirft. Obwohl Bildung vorgibt, Ungleichheiten zu beseitigen, reproduziert sie diese Ungleichheit genau. Dies liegt vor allem daran, dass Bildung hauptsächlich von höheren Klassen mit besserer Bildung geprägt ist und dass die Rolle der Eltern in der Bildung von entscheidender Bedeutung ist. Wenn Kinder in ihrem Studium und bei ihren Hausaufgaben nicht aktiv von den Eltern unterstützt werden, entsteht im Vergleich zu den anderen Schülern ein Rückstand. Tatsache ist jedoch, dass davon vor allem Familien aus den unteren Schichten betroffen sind: Eltern aus diesen Klassen sind weniger in der Lage und bereit, ihren Kindern aktiv bei ihrer Ausbildung zu helfen. Mit anderen Worten, es gibt einen Unterschied zwischen kulturellem Kapital und sozialem Kapital. Familien aus niedrigeren Klassen besitzen weniger Wissen und Kultur, um sie an die Kinder weiterzugeben und haben auch weniger soziale Verbindungen, die den Kindern eine gute Karriere garantieren können. Ein drittes Problem, das untersucht wurde, ist das Ausmaß, in dem eine neue Form der Ungleichheit als Ergebnis der Ausweitung der Bildung, diesmal zwischen Geringqualifizierten und Hochgebildeten, entsteht. So spricht etwa der Soziologe Mark Bovens von einem Übergang von einer repräsentativen Demokratie zu einer “Diplomatie”.

Innerhalb der Bildungssoziologie ist der am meisten untersuchte Parameter für die Wirkung von Bildung das Einkommen. Der Fokus liegt daher oft auf dem Verhältnis von Bildung und Arbeitsmarkt. Es gibt jedoch auch eine Reihe anderer Studien, die die Beziehung zwischen Bildung und anderen Lebensbereichen untersuchen wollen. Vor allem aber muss gesagt werden, dass das Verhältnis zwischen Bildung und Arbeitsmarkt und Einkommen über den Einfluss auf die Löhne hinausgeht. Hochqualifizierte haben auch weniger Chancen auf (langfristige) Arbeitslosigkeit und werden beispielsweise ihre eigenen Finanzen besser verwalten können. Das Konsumverhalten von höher gebildeten Menschen ist bewusster und sie zeigen eine größere (relative) Ersparnis. Die Arbeitszufriedenheit steigt auch mit steigendem Bildungsniveau. Es gibt jedoch auch eine ganze Reihe anderer erforschter Folgen von mehr Bildung. Zum Beispiel nehmen höher gebildete Menschen mehr an Weiterbildung teil. Es gibt auch eine klare Verbindung mit einer besseren Gesundheit, sowohl objektiv als auch subjektiv. Hochgebildete Menschen haben eine längere Lebensspanne und eine höhere Lebenserwartung, beschreiben sich aber auch häufiger als gesund. Dies unterscheidet sich für die psychische Gesundheit, die für höher gebildete Menschen nicht höher oder sogar niedriger ist.Ein anderer Satz von Konsequenzen kann im Bereich der sozialen und politischen Partizipation gefunden werden. Menschen, die mehr Bildung hinter sich haben, haben auch größere soziale Netzwerke, nehmen häufiger am Gemeinschaftsleben teil und folgen der Politik mehr. Neben der Bildung gibt es aber noch andere wichtige Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit. Schließlich gibt es auch Einfluss auf das Privatleben der betreffenden Person. Das Training beeinflusst stark, in welche sozialen Kategorien der Partner kommt und in welchem ​​Alter er heiratet und Kinder gründet. Ein zentrales Phänomen in diesem Zusammenhang ist die Bildungshomogamie: Menschen heiraten oft einen Partner mit dem gleichen Bildungsniveau. Die Beziehung zwischen Erziehung und ehelicher Zufriedenheit oder Scheidungsverhalten ist nicht klar. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Bildungshomologie und Scheidungsverhalten: Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung ist geringer, wenn man mit jemandem mit dem gleichen Bildungsstand verheiratet ist. Mit diesen Verbindungen sind jedoch auch methodische Probleme verbunden. So kann man oft die Richtung der Kausalbeziehung in Frage stellen. Vielleicht werden bewusster gesündere Menschen einfach mehr Bildung verfolgen als umgekehrt. In diesem Sinne sind bessere Gesundheit und höhere soziale Beteiligung nicht das Ergebnis von mehr Bildung, sondern die Ursache. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Studienthemen, etwa die Form und das Ausmaß, in dem Rassismus in der Bildung wiederkehrt.

 

* OECD-Programm für internationale Schülerbeurteilung (PISA)

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